Trauerphasen: Die 5 Phasen der Trauer

Trauer ist individuell. Das Gefühl lässt sich nicht schematisch erfassen. Es gibt keine allgemeingültige Therapie, mit der du dem Verlust eines nahen Menschen begegnen kannst. Trauer wird unterschiedlich empfunden. Der eine verarbeitet das Geschehene rasch, andere erleben eine komplizierte Trauer, die sich über Jahre hinzieht.

Trauer lässt nicht verdrängen. Du kannst sie abwehren und aus deinem Bewusstsein ausschließen, doch die Folge können schwere neurotische Störungen sein, die dich nachhaltig belasten und deine Lebensqualität mindern. Sich dem Verlust zu stellen, ist nicht einfach. Die Verarbeitung des Schmerzes erfolgt sukzessive.

Die Forschung geht von 5 Phasen der Trauer aus, die absolviert werden, bevor die Situation des entstandenen Verlustes akzeptiert wird. In dieser Zeit durchläuft der Mensch einen Prozess, in dem er sich vom Gewesenen verabschiedet. Trauer bezieht sich nicht nur auf das Sterben eines Menschen, sondern kann auch den Verlust einer großen Liebe meinen.

5 Phasen der Trauer
Die 5 Phasen der Trauer: wie du deine Trauer bewältigst!

Warum Trauern wichtig ist!

Abschied nehmen ist wichtig. Es ermöglicht das Loslassen und den Neubeginn. Ohne Trauer ist keine Verarbeitung des Geschehenen möglich und es gibt keinen Abschied. Die Situation belastet dich. Wenn du sie verdrängst, trägst du unbewältigte Momente mit dir, die dich unbewusst hindern, Neues zu tun und weiterzuleben. Trauerphasen sind notwendig, um Raum für eine Neustrukturierung zu schaffen.

Durch den Verlust entsteht nicht nur eine Leerstelle, sondern es brechen viele Gefühle auf:

  • du hast das Gefühl, etwas versäumt zu haben; es steht Ungesagtes im Raum,
  • du fühlst dich schuldig,
  • du meinst, zu wenig getan zu haben,
  • der andere ist dir etwas schuldig geblieben
  • du kannst den Moment des endgültig Gewesenen nicht ertragen.

Phasen der Trauer helfen dir, diese Situation zu ordnen, das Geschehene zu akzeptieren und selbstverantwortlich zu verarbeiten. Sie entlasten und befreien dich psychisch.

Die 5 Phasen der Trauer

Bereits Sigmund Freud sprach von Trauerarbeit und sah in ihr einen aktiven Prozess, der in individuell verschiedenen Phasen verläuft. Das Annehmen der Situation, das Akzeptieren des Verlustes sind erste Schritte der inneren Aufarbeitung und Heilung. Das Traumatisierende der Erfahrung muss verarbeitet werden, sodass sich dein Ich wieder als ein Ganzes begreifen kann. Das veranschaulicht das Modell der 5 Phasen der Trauer.

Dabei ist nicht von einer linearen, chronologisch verlaufenden Entwicklung auszugehen. Dazu ist der Prozess der Trauer zu individuell. Viele Faktoren spielen in die Intensität und den Grad der Trauer hinein. Dazu zählen die eigene Ichstärke, die Prägung durch frühkindliche Erlebnisse, die eigene Erfahrung. Hat ein Mensch starke Bindungen in den ersten Monaten seines Lebens erfahren, konnte er das Gefühl der Sicherheit und des Urvertrauens ausbilden: Es fällt ihm leichter, angemessen mit Verlusten umzugehen.
Liegen bereits Schädigungen und Verletzungen vor, gestaltet sich die Bereitschaft zum Loslassen, zum Abschied und zur eigenen Neuorientierung komplizierter.

Phase 1: Leugnen und Nicht-wahr-haben-Wollen

Wie nach einem Unfall verfällt die Psyche in einen Schockzustand. Du fragst dich zunächst, warum du nichts fühlst. Du kannst nicht begreifen, was dir gerade zustößt. Du denkst, du hast etwas falsch verstanden. Es muss ein Irrtum vorliegen. Die Psyche reagiert mit einer mehr oder wenigen starken Abwehr.

Die einen stürzen sich in den Alltag und funktionieren einfach. Andere fühlen sich wie gelähmt und können keinen klaren Gedanken fassen. Die Dritten verfallen in Aktionismus und suchen entweder nach Rettungsmöglichkeiten oder nach der Herstellung der gewohnten Situation. Verdrängung, Verleugnung und Abwehr verhindern das Gefühl der Trauer, den Vorgang der schrittweisen Ablösung und den Abschied.

Phase 2: Wut, Zorn und Auflehnung

Das Aufbrechen der Emotionen kennzeichnet die 2. Phase der 5 Phasen der Trauer. Der Schockzustand löst sich in einem Aufbäumen gegen die Ungerechtigkeit, in einem Aufschrei gegen das Verlassenwerden. Wut und Zorn brechen sich Bahn. Gleichzeitig können Gefühle der Schuld aufkommen. Es entsteht ein Chaos an Emotionen, die du in dieser Phase nicht in den Griff bekommen kannst. Gereiztheit und niederschwellig ausbrechende Aggressionen sind ebenso möglich wie plötzliche Weinkrämpfe.

Es ist wichtig, diese Emotionen zuzulassen. Werden sie medikamentös oder disziplinarisch unterdrückt, kann sich das Chaos nicht klären und auflösen. Im Prozess der Klärung entsteht die Neuorientierung. Es entsteht ein neues Selbstbewusstsein, dass den Verlust heilend inkludiert.

Phase 3: Verhandeln und Suchen

In dieser Phase ist der Verlust begriffen, jedoch noch nicht angenommen worden. Es wird nach Lösungen gesucht, um alles wieder zu richten. Im Falle einer zerstörten Liebesbeziehung wird versucht, den anderen umzustimmen und es noch einmal zu probieren. Im Falle eines Sterbenden werden die Ärzte nach Möglichkeiten befragt oder es wird Zuflucht zu Religion und Spirituellem gesucht.

Der Versuch, Gott zu überzeugen oder einen abrupten Wandel im Leben herbeizuführen, wird das Leben nicht verlängern, kann das Sterben meist nicht aufhalten. Das Versprechen, sich zu ändern, wird die Liebe nicht wieder aufflammen lassen, doch das Suchen ist auch ein Schritt in die Aktion. Die Gefahr von Depressionen bis hin zum Suizid ist in besonders schweren Fällen gegeben. Hier sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Phase 4: Depression, Verzweiflung, Wandlung und neuer Selbstbezug

Wird die Situation als unvermeidlich begriffen, entsteht ein Gefühl der Resignation. Wie nach einem langen Kampf tritt eine Ernüchterung ein. Depressive Stimmungen können die Situation beherrschen. Doch die Tränen sind versiegt, du kannst nicht mehr weinen und findest langsam zurück zu Alltäglichem.

Profane Verrichtungen wie das Aufräumen, Putzen, Zubereiten von Mahlzeiten sind erste Schritte, um der Verzweiflung Herr zu werden. Ein Haushalt ist vielleicht aufzulösen oder umzustrukturieren, Organisatorisches steht an und erfordert Konzentration.

Diese Arbeiten werden häufig ohne Vorfreude auf das zu erwartende Ergebnis verrichtet. Es gibt keine echte Befriedigung beim Erreichen des Ziels. Gleichzeitig vollzieht sich innerlich ein Prozess, der die Psyche heilen lässt. Die Selbstachtung nimmt zu und die Erkenntnis, dass es weitergeht. Es ist nicht mehr alles zu Ende, weil du verlassen wurdest, sondern ein Neuanfang ist möglich.

Phase 5: Zustimmung, Annahme und Akzeptanz

Von einer gelungenen Trauerarbeit kann man sprechen, wenn der Mensch das Unvermeidliche anerkannt und seinen Frieden mit der Situation gemacht hat. Das kann die eigene Krankheit sein, die man akzeptieren muss, das kann das Begreifen des eigenen Todes sein und die Möglichkeit eines friedlichen Einschlafens, das kann der Verlust eines Geliebten sein und das vollständige Akzeptieren der Trennung.

Mit der Zustimmung ergeben sich neue Möglichkeiten: Ein Anfang ist wieder denkbar. Der Abschied kann vollzogen werden. Du lässt das Vergangene hinter dir und blockierst dich nicht weiter selbst. Damit verhinderst du aktiv die Chronifizierung deiner Schmerzen. Die 5 Phasen der Trauer hast du durchlaufen.

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